Harte Arbeitsbedingungen zu tiefen Löhnen

Redebeitrag von Thomas Leuzinger, Verantwortlicher Politik der Unia Aargau-Nordwestschweiz

Die Arbeitsbedingungen im Detailhandel sind hart. Die VerkäuferInnen arbeiten viel, aber verdienen wenig. Sie verdienen so wenig, dass der Regierungsrat eingegriffen und einen Mindestlohn erlassen hat. Damit ist es nun wenigstens nicht mehr möglich, Leute für 3200 Franken in einem Vollzeit-Pensum anzustellen.

Hoch ist der Mindestlohn allerdings nicht. Er reicht nicht einmal zum Leben aus. Mit 3500 Franken pro Monat – und dies ohne 13. Monatslohn – lässt sich der Lebensunterhalt nicht bestreiten. Zuschläge für Abend- oder Samstagsarbeit gibt es im Detailhandel selbstverständlich keine, dazu sind den Detailhändlern ihre Renditen zu wichtig. Die VerkäuferInnen sind somit auf staatliche, finanzielle Unterstützung wie etwa Prämienverbilligungen angewiesen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Als ob dies noch nicht ausreichen würde, setzen manche Unternehmen wie H&M noch einen drauf. So werden viele VerkäuferInnen nur mit einem kleinen Pensum angestellt, obwohl der Personalbedarf viel grösser ist. Die VerkäuferInnen werden spontan und kurzzeitig aufgeboten, wenn der Laden voll ist. Wenn der Umsatz nicht stimmt, werden sie nach Hause geschickt.

Die Angestellten können also nur mit vielleicht 20% von 3500 Franken Fixeinkommen rechnen. Der Rest ist variabel. Sollte es in einem Monat wenig Arbeit geben, stehen sie mit 700 Franken da, von denen sie Miete, Essen und Lebensunterhalt bestreiten müssen. Ausser, sie konnten sich in den Vormonaten etwas vom Mund absparen.

Gleichzeitig aber steigt der Druck auf die Mitarbeitenden massiv. Manche Unternehmen verfolgen sogar in Echtzeit, wie viele Kunden gerade den Laden betreten und was für einen Umsatz sie generieren. Sollte das Ergebnis den Chefs nicht passen, erhält die Verkäuferin ein Telefonat, in dem sie darauf hingewiesen wird, dass der Umsatz nicht stimmt und sie sich mehr Mühe geben müssten.

Diese Personalpolitik – besonders in der Modebranche – ist mehr als zynisch. Der Zara-Gründer verfügt über eine Vermögen von über 70 Milliarden Dollar, die H&M-Aktionäre haben im vergangenen Jahr trotz erneuten Gewinnrückgang gleich hohe Dividenden erhalten und selbst unsere Schweizer Lebensmittelriesen Migros und Coop weisen jährlich einen Gewinn in Milliardenhöhe aus.

Das Geld, um im Detailhandel anständige Löhne und Arbeitsbedingungen zu bieten, ist also sicher vorhanden. Der Wille, den Arbeitnehmenden ihren Anteil zuzugestehen, hingegen fehlt leider oft. Einen Gesamtarbeitsvertrag, in dem die Arbeitsbedingungen festgeschrieben werden können, lehnen etwa der Gewerbeverband und Pro Innerstadt kategorisch ab.

Unter diesen Vorzeichen ist es nicht tragbar, überhaupt über eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Angestellten im Detailhandel nachzudenken.

Abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen für die VerkäuferInnen würde auch ihr Sozialleben stark darunter leiden. Schon heute ist es schwierig, unter der Woche Freizeitaktivitäten mit der Familie oder mit Freunden zu planen. Theater, Kino, Sport, Ausgang: die meisten Veranstaltungen beginnen nicht erst um halb neun. Sei es eine Vorstellung im Theater Basel, ein Heimspiel des FCB im Joggeli oder eines der zahlreichen Konzerte.

Mit dem Samstag auch den letzten Tag, an dem das Kultur- und Vereinsleben stattfindet, unplanbar machen, liegt nicht drin. Auch VerkäuferInnen haben ein Anrecht auf Freizeit. Dieses müssen wir ihnen am 25. November zugestehen.