Kein Bedürfnis, kein Nutzen

Redebeitrag von Lisa Mathys, Grossrätin SP

Dass längere Öffnungszeiten ein Bedürfnis seien – insbesondere ein Bedürfnis der Läden – ist ein Märchen. Wir hatten im Vorfeld der Debatte im Grossen Rat auch mit den Inhaberinnen und Inhabern der kleineren, typischen Innenstadt-Läden gesprochen. Auf die Möglichkeit nach verlängerten Öffnungszeiten angesprochen, winken sie ab: Kein Bedarf, kein Personal – und vor allem: Lohnt sich nicht!

Längere Öffnungszeiten bringen nicht wesentlich mehr Umsatz, das ist längst erwiesen. Insbesondere in städtischen Gebieten wird kaum mehr eingekauft, wenn die Läden länger offen sind. Der ungefähr gleiche Umsatz verteilt sich einfach auf mehr Stunden. Das besonders Perfide daran: Für kleiner Geschäfte, die nicht einfach den Schichtplan ihres Personals anpassen können, sondern mit ganz wenig Verkäuferinnen und Verkäufern auskommen müssen, steigt der Druck.

Sie können längere Ladenöffnungszeiten gar nicht umsetzen und haben dadurch gegenüber den grossen Detailhandels-Riesen einen deutlichen Nachteil. Eine seco-Studie hat ganz eindeutig stark negative Auswirkungen auf die Unternehmensstruktur durch längere Ladenöffnungszeiten belegt. Es droht die Schliessung der kleineren Geschäfte, anstatt dass es zu einer Belebung käme, wie sie die Befürworterinnen und Befürworter herbei fabulieren.

Die meisten Baslerinnen und Basler sowie die Gäste, die unsere Stadt besuchen, erfreuen sich ganz bestimmt, wenn die Innerstadt auch abends nicht wie ausgestorben ist. Eine Belebung des Zentrums erreichen wir aber nicht mit längeren Ladenöffnungszeiten. Dafür sind andere Faktoren wie die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum oder das Kultur- und das Gastronomie-Angebot massgebend.

Dass zwei zusätzliche Stunden am Samstag eine wesentliche Zahl an Einkaufstouristinnen und -touristen, die ihre Einkäufe im grenznahen Deutschland oder Frankreich tätigen, in Basel behalten würden, entbehrt jeder realistischen Einschätzung. Wer dort einkauft, tut dies zumeist aus finanziellen Überlegungen. Das Problem der deutlich höheren Preise lösen zwei zusätzliche Verkaufsstunden logischerweise nicht. Auch gegenüber dem Online-Handel bieten zwei zusätzliche Stunden am Samstag keinen Vorteil: Online betragen die Öffnungszeiten bekanntlich 24 Stunden, 365 Tage pro Jahr. Wer in der Innenstadt einkauft, tut dies, weil sie oder er die geografische Nähe schätzt, die persönliche Beratung wünscht, gerne durch eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Geschäfte «lädelet» oder das besondere Angebot sucht. Diese Bedürfnisse gilt es zu decken.

Längere Öffnungszeiten sind keines. Das zeigt auch die äusserst kurze Zeit, die es brauchte, um die Referendums-Unterschriften zu sammeln.